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Die Realität der Impression

„Okay — aber das ist ein Gemälde, oder?“

Der Umstand, dass viele Betrachter Bert Schifferdeckers analoge Fotografie mit Malerei verwechseln, ist verständlich. Doch seine Farben stammen nicht aus der Tube, sondern von der unendlichen Palette seiner Wahlheimat Wien und werden nicht von Hand, sondern mit Licht auf Zelluloid gemischt – auch wenn seine Kompositionen die Realität oft auf eine Weise einfangen, die wir eher mit Impressionismus als mit Fotografie assoziieren. Tatsächlich zeigt jeder großformatige, unikale Druck die Komposition genau so, wie sie durch die Kameralinse auf Film festgehalten wurde. Der Künstler schneidet, überlagert oder verändert den Originalinhalt einer Aufnahme nicht. Er beherrscht einen eigenen Stil und Technik, die zum Teil auf einer unorthodoxen Auswahl seiner Arbeitsmaterialien und deren Verarbeitung beruht. Beispielsweise kann der von ihm verwendete Film zum Zeitpunkt der Belichtung bis zu 40 Jahre über dem Verfallsdatum sein. Der Grad der durch den Alterungsprozess bedingten Veränderung der Fotoemulsion und die Fähigkeit des Fotografen, mit Licht zu spielen, kann die Impression von Pinselstrichen und Lasuren hervorrufen.

„Eigentlich nein. Es sind alles Fotos. Wirklich.”

© Warren Rosenzweig | KulturSalon Wien

© Florian Müller | Augustin